Lebenslauf des Münzers Mein Name ist Sigefriedus. Im Jahre des Herrn 1149 erblickte ich das Licht dieser Welt, als Sohn des Heinricus, der im Jahre 1179, auf Geheiß der Hausgenossen das Amt des Monetarius, des Münzmeisters zu Worms übernahm, wie schon zuvor der seinige Vater. Meine Großvater, der Münzmeister Adelbracht, stiftete 1130 das bekannte Juliana-Relief zum Ausbau des Wormser Domes, welches in dessem Ostchor bestimmt noch in 900 Jahren zu bewundern sein wird. So gehört nun meine Familia schon in der dritten Generation der Hausgenossenschaft der Münzer an. Die Hausgenossen des Münzhauses kommen aus angesehenen Wormser Familien, als da wären Gold- und Silberhändler, Fernhändler und Goldschmiede. Diese wählen den Münzmeister. Dem obliegt die Aufsicht über die Münzerei, die Gesellen und Lehrlinge, sowie die Beschaffung des Silbers und die Verteilung der Münzen. Des Weiteren wacht er über die Falschmünzerei. Juliana-Relief von 1130 Auch ich bin inzwischen Münzergeselle und Mitglied der Wormser Hausgenossenschaft. Da mein Vater mit seinem Amt als Monetarius völlig ausgelastet ist, habe ich mich schon früh um die Handelsgeschäfte unserer Familia kümmern müssen. Eines Tages führten mich die Geschäfte nach Bingen, wo ich Beara traf. Beara war ein Findelkind. Ein irischer Mönch, der auf der Reise zum Kloster Eibingen war fand das Kind eines Morgens vor seiner Tür. Da er jedoch niemanden fand, der sich des Kindes annehmen wollte, nahm er es einfach mit zum Kloster Eibingen. Er nannte das Kind Beara, nach seiner irischen Heimat. Beara durfte im Kloster Eibingen bleiben und wurde von den Schwestern aufgezogen. So wuchs sie heran und ging den Schwestern bei der Arbeit in Küche und Garten zur Hand. Bald schon wurde klar, dass Beara nicht nur fleißig sondern auch äußerst intelligent war. So lehrte man sie das Lesen und Schreiben. Unser Wappen, so wie wir es auch auf die Wormser Münzen schlagen Alsbald wurde auch die Äbtissin Hildegard von Bingen auf Beara aufmerksam und lehrte sie allerlei über Kräuter und Heilung von Kranken. In den kommenden Jahren wurde Beara eine große Hilfe für Hildegard und das Kloster. Eine ihrer Aufgaben war es für das Kloster  Besorgungen auf dem Binger Markt zu machen. Als ich zum ersten mal Bearas Antlitz schaute, da war es mir, als ob die Loreley höchst selbst von ihrem Felsen herab gestiegen wäre, um mich mit ihrer Schönheit zu blenden. Es muss ein Engel gewesen sein, der dafür sorgte, dass meine Geschäfte mich länger in Bingen festhielten und es mir so vergönnt war sie wieder zu sehen. Es gelang mir ihr Herz zu gewinnen und so verließ sie das Kloster und ging mit mir nach Worms, wo wir im Jahre des Herrn 1184 im Dom zu Mann und Frau getraut wurden. Im Jahr darauf wurde uns ein kräftiger Sohn geschenkt. Sein Name ist Maximilian und mit Gottes Wille wird er eines Tages ebenfalls ein Wormser Münzer sein. Seit nunmehr fünf Jahren haben wir unseren Wohnsitz auf ein Landgut in Esselborn, vor den Toren Alzeys verlegt. Das verkürzt unsere Handelswege nach Bingen und Köln. Zudem haben wir hier mehr Raum um unsere Waren zu lagern und sie vor den häufigen Wormser Bränden zu schützen. Hildegard - Liber Scivias